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Sonntag, 20. Mai 2012
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PC-Welt
1996

Hardware

Zehn CD-Recorder im Test

Im Brennpunkt

CD-Brenner sind eine interessante Alternative zu gängigen Massenspeichern. Gerade pendeln sie sich in erschwinglichen Preisregionen ein. Dank ihrer Flexibilität eignen sie sich für das Backup ebenso wie Zusammenstellen der Lieblings-Musik-CD. Wir haben zehn Probanden einem Test unterzogen. Hier steht, welche Leistung sie erwarten können.

Der Heimwerker hat wieder Saison. Weit über ein Jahrzehnt stand die Doktrin felsenfest: CDs lassen sich nicht beschreiben. Zwar ließ sich das Manko schnell beheben, doch blieb der Anwender zu Hause außen vor: Die Technologie war anfangs für den Privaten kaum erschwinglich. Jetzt fällt dieses Manko, zusammen mit den Preisen der Brenner: Lagen Doublespeed-Brenner noch vor gut einem Jahr weit über 5000 Mark, so rutschen sie in diesen Tagen unter die Schallmauer: Vereinzelt finden sich Geräte schon für rund 1000 Mark in den Auslagen der Computerhändler.

Das breite Anwendungsgebiet der Brenner ist bestechend und bietet vielfältige Möglichkeiten für das Speichern wertvoller Daten aller Art. So hängen Hobby-Musiker nicht mehr am Schmuddel-Image der Demo-Tapes. Statt dessen landet bei der Plattenfirma eine ungleich professionellere CD. Musikfreunde stellen sich mit geringem Aufwand eigene, bis zu 74 Minuten lange Top-Ten-CDs zusammen. Und die am PC gebrannten Audio-CDs arbeiten in jedem normalen CD-Player, selbst wenn man eigene Wav-Dateien (z. B. eine persönliche Ansprache) mit einbindet – als Geschenk ein schöne Sache. Die CD-Brenner sind prinzipiell aber PC-Peripherie, keine Audio-Elektronik. So schreiben sie natürlich auch Daten-CDs, Spezialisten stellen sich sogar Multimedia-Anwendungen mit Programmen, Daten, lippensynchronen Video- und Audiospuren zusammen.

Datensicherheit, schneller Zugriff und Robustheit zählen zu den besten Vorzügen der Brenner. Sie leisten wertvolle Dienste im Bereich der Datensicherung – denn zu Backup-Zwecken sind sie gut geeignet, wenn auch noch keineswegs so komfortabel wie andere Massenspeicher. In einigen Gebieten sind etwa Bandlaufwerke daher immer noch unschlagbar (bis zu 16 GB Kapazität und überschreibbare, je nach Typ günstige bis sehr günstige Medien). Doch ist bei CD-Backups wiederum der gezielte Zugriff auf einzelne Dateien möglich – ohne lange Sucherei durch Hin- und Herspulen. Selbstgebrannte CD-Rs schaffen Platz auf übervollen Festplatten und ermöglichen das Archivieren von Daten und Dokumenten, die nicht mehr verändert werden dürfen. Und auch die Speichermedien haben mittlerweile im Preis nachgelassen. Zwar sind die CD-Rs in vielerlei Hinsicht robuster und langlebiger als andere Speichermedien, dennoch sind sie aufgrund des fehlenden Schutzlacks empfindlicher als normal gepreßte CDs.

Das Brennen ist eine Wissenschaft für sich. So attraktiv die Vorzüge klingen mögen: Bevor die erste selbstgebrannte CD im gewünschten Format vorliegt, liegt ein steiniger Weg vor dem Anwender: zunächst die genaue Einarbeitung in das Leistungsspektrum des Brenners und dann die Beschäftigung mit der Software. Hier gehört freilich das Wissen um die unterstützten Formate, „bunten Bücher“ (Yellow, White oder Green Book) und Brennmodi hinzu, um den Rohling (CD-R) nicht gleich über den Jordan zu schicken. Sicher sind Sie einigermaßen flexibel, was die Brennmodi anbetrifft, per Multisession lassen sich in mehreren Schritten Daten ablegen. Doch dabei darf dann kein abrupter Abbruch des Brennvorgangs auftreten, sonst ist die CD-R hin. Audio-CDs hingegen verlangen das Brennen in einem Schritt, da Ihr üblicher CD-Player eben nur Single-Session abarbeiten kann. Wichtig ist daher es, daß der Datenstrom nicht abreißt.

Entscheidend für das gelungene Brennen ist das perfekte Zusammenspiel von Hard- und Software. Hardwareseitig sind die Brenner notwendigerweise in ein SCSI-System eingebunden (die IDE-Busarchitektur taugt für diese Zwecke im Vergleich schlechter) – es gibt nur SCSI-Brenner. Eine schnelle Festplatte sorgt dabei für den erforderlichen kontinuierlichen Datenstrom, der Brenner trägt sein übriges durch seinen Cache bei – 1 MB ist daher auch normalerweise Standard.

Wer sich den Weg nicht verschließen will, in absehbarer Zeit auch CD-I oder Video-CDs zu beschreiben, sollte neben den Hardware-unterstützten Formaten ein genaues Auge darauf werden, ob die Software auch mitzieht.

Die Zukunft der CD verheißt bessere Datenkapazitäten. Zwar ist das Fassungsvermögen eines CD-R – gemessen an den 1,44 MB einer normalen Diskette und auch an den 120 MB des neuen Diskettenersatzes LS-120 – mit 650 MB schon beachtlich. Doch für den professionellen Anwendungsbereich wie Spielfilme oder auch das Auslagern ganzer Festplatteninhalte ist das keinesfalls hinreichend. Angekündigt sind daher bereits – mit Jahreswende könnte es soweit sein – die DVDs: neue CDs, die in die Gigabyte-Kapazität vorstoßen sollen. Dann stehen früher oder später auch neue Brenner ins Haus. Warten lohnt trotzdem nicht. Bis dahin kann noch eine Menge Wasser den Rhein hinab fließen. Und es erscheint klar, daß DVD-Brenner zunächst unerschwinglich teuer sein dürften – Preise jenseits von 10 000 Mark wären kaum verwunderlich.

Im Test
Grundig CDR 100 JPW

Hewlett-Packard Surestore CD-Writer 4020i

JVC XR-W2010

Pinnacle Micro RCD-5040i

Pioneer DW-S114X

Ricoh RS1420 C

Sony Spressa 940S

Storm CPD CD-Maker IIE

Yamaha CDR-100

Yamaha CDR-102 Plus

 

PC-WELT Kurzgefaßt

CD-Brenner

Flexible Massenspeicher sind gefragt: Sie sollen wichtige Programmdaten der Festplatte genauso sichern können wie andere Dateiformate, etwa Audio- oder Video-CD, lesen und schreiben können. Ein CD-Brenner ist – die entsprechende Hardware-Leistung vorausgesetzt – für ein breites Anwendungsspektrum tauglich.

+ CD-Recorder speichern sicher Daten beliebiger Formate auf ein CD-R. Alle Schreiber bieten schnellen Zugriff auf die Daten und erreichen für die Datensicherung zu Hause schon ganz beachtliche Brennzeiten. Zudem weisen die CD-Rs hohe Speicherkapazitäten – bis zu 640 MB – auf und zeichnen sich durch eine gute Haltbarkeit aus. Der unterstützte ISO-Standard (genormtes Read-Only-Dateisystem) ist plattformunabhängig und ist daher von jedem System lesbar.

– Die Datensicherung mit einem CD-Brenner ist schwieriger als mit anderen Massenspeichern zu bewerkstelligen. Für intensive Backups können sie Bandlaufwerken nicht das Wasser reichen, da ihre Kapazität 650 MB nicht überschreitet. Die CD-Rs sind zudem nicht wiederbeschreibbar.

* Empfehlung: Entscheidend ist für Einsteiger ins Brenn-Gewerbe vor allem ein gutes Bundle aus Hardware-Komponenten (SCSI-Controller, -Kabel, Rohlinge, eventuell Caddy) plus ausgefeilter Software. Wenn ein Laufwerk sich als CD-WO ins System einbindet, gehört unbedingt ein Treiber zum Auslesen normaler CDs auch außerhalb der Brennersoftware dazu. Hardware wie Software sollten alle Formate unterstützen. Vierfach lesende und schreibende Geräte bringen auf Dauer mehr Zufriedenheit. Beim Kauf ist zu überlegen, ob eine externe oder interne Variante angebrachter ist – abhängig vom Platz im PC und und den eigenen Ansprüchen nach Flexibilität.

 

Entscheidungshilfe: CD-Brenner

wenn... ...dann

.... Sie Einsteiger sind und noch kein SCSI-System besitzen ...achten Sie darauf, daß Sie ein Controller samt Kabel im Bundle mit dem CD-Brenner kaufen. Am besten sollte ein Standard-SCSI-Controller beiliegen, für den Windows 95-Unterstützung im Angebot ist und an den sich auch andere SCSI-Geräte intern wie extern anschließen lassen.

...Sie nur ab und an eine CD brennen wollen ...ist ein zweifach schnell schreibender CD-Recorder vollkommen ausreichend. Das Brennen der 650 MB braucht zwar seine 40 Minuten. Die sind aber für den gelegentlichen Betrieb zu verschmerzen.

...Sie regelmäßig CDs anfertigen wollen ...sollten Sie schon zu einem vierfach schreibenden und lesenden CD-Recorder greifen. Der Aufpreis lohnt den doppelten Geschwindigkeitszuwachs. In gut 20 Minuten ist die 650-MB-CD-R gebrannt.

...Sie mehrheitlich Daten-CDs, etwa für Backups, beschreiben wollen ...genügt in der Regel ein Zweifach-Brenner in Verbindung mit einer einfach zu bedienenden Software, welche die nötigsten Formate unterstützt.

...Sie Wert auf alle Formate legen ...sollte der Brenner sie hardwareseitig unterstützen. Zudem sollten Sie zu einer funktionsstarken Software wie Gear 4.0 greifen, die alle Formate unterstützt und zahlreiche Einstellungen zuläßt. Wünschenswert sind Vollversionen. Namenszusätze wie „OEM-Version“ lassen Funktionskürzungen erwarten.

...Sie ein breites Spektrum an Formaten und viel brennen wollen ... sollte es ein Vierfach-Schreiber sein, der alle Formate lesen und schreiben kann, welche die Software auch unterstützen muß.

.... Sie sehr schnell Daten von CD lesen wollen ...ist ein moderner CD-ROM-Leser als Ergänzung zu einem CD-Brenner ratsam, da dessen mittlere Zugriffszeit die eines Brenners deutlich übertrifft.

...Sie Kopien von CDs erstellen wollen ...achten Sie auch genügend freien Speicherplatz auf einer schnellen Festplatte. Für das Brennen einer 650 MB-CD-R benötigen Sie circa den doppelten Speicherplatz für die Erstellung des Image.

 

PC-WELT Testcenter Empfehlung

1. Zweifach schnell: Sony Spressa 940S

Ein Doublespeed-Schreiber sticht aus dem Zweifach-Brenner-Testfeld hervor: Das Sony Spressa 940S wartet unter den Probanden mit den besten Leistungswerten auf. Unterstützt wird dieser positive Eindruck durch die Vielfalt der Formate und Modi. Zwar wäre das Zusammenspiel mit einer besseren Software wünschenswert, doch aufgrund der Geschwindigkeit in dieser Klasse und des akzeptablen Preises verdient es die PC-WELT-Empfehlung. Dicht dahinter liegt das Pinnacle Micro RCD-5040i – durch seine Komplettausstattung und die reibungslose installation. Es bringt auch einen Controller mit. Leistungsmäßig kann es aber nicht mit dem Sony mithalten.

2. Vierfach schnell: Yamaha CDR-100

Die beiden vierfach-schnellen Yamaha CDR-100 und Pioneer DW-S114X gehören naturgemäß zu den geschwindigkeitsstärksten Brennern im Test. Das Pioneer-Gerät hat zwar hier die Nase vorn, entgeht aber einer Empfehlung wegen der geringen Ausstattung und des extrem hohen Preises. Das Yamaha führt zwar auch nur das Minimal-Zubehör im Lieferumfang – je ein Caddy und CD-R – bringt aber die leistungsstarke und aktuelle Software Version 4.0 von Gear mit. Zudem sorgen 5 LEDs für einen guten Überblick über den Status des Brenners. Angesichts der Geschwindigkeitswerte und des Listenpreises von 1800 Mark – auf der Straße liegt es bei rund 1600 Mark – ist das Yamaha CDR-100 ein empfehlenswertes Angebot. Heike Kaltschmidt, Alfred Poschmann