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Teleworx
1997

TK-Anlagen für Teleworker

Auf gute Verbindungen

Eines ist sicher: Ein Teleworker braucht ISDN. Denn selbst mit mehreren analogen Telefonleitungen ist heutzutage komfortables Arbeiten kaum mehr möglich. Nur: Wie schließt man all die nötigen Telefone, Faxe und Modems an? Welche TK-Anlage ist die geeignete?

Teleworker, an ISDN führt kein Weg vorbei. Selbst mit zwei analogen Leitungen läßt sich längst nicht die Leistungsvielfalt wie mit den Kanälen einer ISDN-Leitung erreichen.

Analog... Ein Vergleich: Mit zwei analogen Leitungen erhält man zwei Telefonnummern. An der finden ein Fax und ein Modem parallel Anschluß, an der anderen ein Telefone und ein Anrufbeantworter. Solange man telefoniert, erhalten weitere Anrufer nur ein Besetztzeichen. Die Geschwindigkeit bei der Datenübertragung ist auf maximal 33,6 KBit pro Sekunde beschränkt – mehr können selbst modernste Modems nicht senden. Will man etwa eine komprimierte Bilddatei von 2 MByte Größe per Modem an seinen Auftraggeber übermitteln, so dauert das rund acht Minuten. Während dieser Zeit ist der Faxempfang gesperrt, auch das Stöbern im Internet fällt flach – das Modem ist ja belegt.

... versus digital Bei ISDN dagegen erhält man drei Telefonnummern und zwei Nutzkanäle, die sich je nach Bedarf den daran angeschlossenen Endgeräten zur Verfügung stellen. Kommt etwa während eines Telefonats ein zweiter Anruf herein, so kann es automatisch auf dem Anrufbeantworter oder einem zweiten Telefon landen. Daten wie etwa das komprimierte 2-MByte-Bild lassen sich mit bis zu 64 KBit pro Sekunde übertragen – es ist daher bereits nach rund 4 Minuten beim Empfänger (viele ISDN-Adapter beherrschen die Kanalbündelung; damit lassen sich sogar 128 KBit pro Sekunde übertragen – macht 2 Minuten für das Bild).

Das Faxgerät kann währenddessen weiterhin Fernschreiben empfangen, obwohl es der gleichen Rufnummer wie die Datenkarte zugeordnet ist. Oder man nutzt während dessen ein parallel angeschlossenes Modem zur Recherche im Internet, telefoniert oder läßt den Anrufknecht ein Gespräch aufzeichnen. Es ist eine der angenehmsten Funktionen von ISDN, daß die angeschlossenen Geräte sich irgend einen der Nutzkanäle angeln können, solange denn einer frei ist.

Anschluß via TK-Anlagen Dabei gilt es freilich, den Kostenpunkt nicht aus den Augen zu verlieren. Zwar können die beiden Nutzkanäle einer ISDN-Leitung (ab 46 Mark monatlich) günstiger als zwei analoge Leitungen (49,20 Mark monatlich) sein. Allerdings lassen sich am ISDN nur digitale Endgeräte anschließen, und die sind teurer. Die alten Telefone, Faxe oder Modems können Sie weiterverwenden – sofern Sie in eine TK-(Telekommunikations-)Anlage investieren. Und davon gibt es reichlich am Markt.

Damit Sie sich ein Bild machen und die TK-Anlage Ihrer Wahl finden können, stellt Ihnen TELEWORX auf den folgenden Seiten die wichtigsten vor, zusammen mit einer Erklärung der meistgenutzten Funktionen. Heike Kaltschmidt, Alfred Poschmann

Das Internet bietet jede Menge Infos zu ISDN. Die besten Einsprungsadressen – auch zu FTP und Newsgroups – finden sich unter http://www.uni-mannheim.de/rum/netze/isdn/. Dort finden Sie Antworten zu Fragen rund um die Technologie.


ISDN-Fachbegriffe

Anlagenanschluß

ISDN-Endgeräte wie Telefon oder Terminaladapter lassen sich nicht direkt am Anlagenanschluß betreiben, lediglich eine einzige TK-Anlage. Der Vorteil: Der Anschluß ist durchwahlfähig. Belegt er etwa einen Rufnummernblock von 10 Nummern (oder 100, 1000 etc.) sind die aufeinander folgenden Rufnummern mit den Endziffern -0 bis -9 (oder, -00 bis -99, -000 bis -999) etc. demselben Anlagenanschuß zugeordnet. Das Bearbeitung der Endziffern übernimmt die TK-Anlage.

B-Kanal

Der Basiskanal (B-Kanal) dient zur Übertragung von Nutzdaten (etwa Sprache). Seine Übertragungskapazität liegt bei 64 KBit/s. Jeder ISDN-Bus besitzt zwei B-Kanäle. Über jeden B-Kanal läßt sich eine Verbindung aufbauen; mit jedem ISDN-Bus also maximal zwei Verbindungen gleichzeitig.

D-Kanal

Der Signalisierungskanal (D-Kanal) übernimmt die Übermittlung von Steuerinformationen (wie etwa Meldung eines eingehendes Anrufs oder Verbindungsaufbau und -abbau eines B-Kanals), zwischen Endgerät und Vermittlungsstelle (ISDN-Netz). Seine Übertragungskapazität beträgt 16 KBit/s bei Basis- und 64 KBit/s bei Primärmultiplexanschlüssen.

ISDN/EURO-ISDN

Das nationale ISDN (Integrated Services Digital Network = dienste-integriertes digitales Netzwerk) wird nicht mehr beworben. Es nutzt das 1TR6-Protokoll (Richtlinie der Deutschen Telekom AG für ISDN-Endgeräte mit S0-Schnittstelle, die das D-Kanal-Protokoll definiert). Über das deutsche D-Kanal-Protokoll 1TR6 lassen sich nur Endgeräte verwenden, die für diesen Markt produziert worden sind.

Im Gegensatz zum nationalen ISDN nutzt Euro-ISDN das europaweit standardisierte DSS1-Protokoll (Digital Subscriber Signalling System No. 1). Der Unterschied liegt demnach im verwendeten D-Kanal-Protokoll. Die nötigen Softwareänderungen in den digitalen Vermittlungsstellen sind längst vorgenommen, mittlerweile ist in Deutschland Euro-ISDN Standard.

Mehrgeräteanschluß

Der Punkt-zu-Merpunkt-Anschluß läßt es zu, parallel an einen S0-Bus bis zu acht ISDN-Geräte zuzuschalten. Für kleinere Büros und Privatanwender ist der Mehrgeräte-Anschluß dem Anlagen-Anschluß in der Regel vorzuziehen.

Mehrfachnummern (MSN)

Für die Unterscheidung der Endgeräte am Mehrgeräteanschluß kann man ihnen eine oder mehrere Mehrfachrufnummern (MSN=Multiple Subscriber Number) aus dem Rufnummernbestand des Anschlußbereichs zuordnen. Die MSN besteht aus maximal acht Ziffern (ohne Vorwahlen!). Dadurch sind spezielle Dienste, etwa Fax, direkt anwählbar. Zudem läßt sich die Auswahl der Leistungsmerkmale für jede Mehrfachrufnummer individuell einstellen. So sind beim DSS1-Protokoll einem ISDN-Anschluß mehrere Rufnummern von der Vermittlungsstelle zuteilbar. Über diese Rufnummern lassen sich gezielt Endgeräte an der S0-Schnittstelle ansprechen.

Primärmultiplexanschluß

Dieser ISDN-Anschluß kommt etwa bei größeren Nebenstellenanlagen zum Einsatz. Er wartet mit 30 Basiskanälen (je 64 KBit/s) und einem Signalisierungskanal (64 KBit/s) auf.

S0-Basisanschluß

Der Basisanschluß bezeichnet den kleinsten ISDN-Teilnehmeranschluß. S0 bezeichnet das international genormte vieradrige Bussystem für ISDN-Geräte. Im S0-ISDN-Basisanschluß sind zwei Nutzkanäle (B-Kanäle) mit je 64 Kbit/s und ein Signalisierungskanal (Steuerkanal oder D-Kanal) mit 16 KBit/s verfügbar. Über die S0-Schnittstelle des ISDN-Basisanschlusses zum Teilnehmer lassen sich bis zu acht ISDN-Endgeräte anschließen.

Terminaladapter

Auch ISDN-Adapter. Um analoge Geräte wie Faxgeräte (Faxgruppe 2 und 3) oder herkömmliche Modems an ISDN zu betreiben, bedarf es eines ISDN-Terminal-Adapters (auch a/b-Wandler genannt). Im Unterschied zu TK-Anlagen verfügen die einfachen Adapter in der Regel über keine eigene Intelligenz.


Wichtige Leistungsmerkmale von TK-Anlagen

  • Amtsberechtigungsstufen

Es lassen sich für Endgeräte, etwa ein Telefon, mehrere Zulassungsberechtigungen definieren: nur auf ankommende Gespräche, auf Nahbereich, Ortsnetzbereich, nur für Inlandsgespräche oder unbegrenzt, d.h. mit Berechtigung für Ausland. Zudem lassen sich bei manchen TK-Anlagen auch bestimmte Rufnummernkreise (Vorwahlgebiete) verbieten beziehungsweise nur bestimmte erlauben.

  • Anklopfen

Ist ein angewählter ISDN-Anschluß besetzt, kann der Anrufer anklopfen. Die Meldung von ankommenden Gesprächen während einer Verbindung kann optisch (via Display) oder akustisch (Signal) erfolgen. Hat der Anrufer auch ISDN, kann der Angerufene über die angezeigten Rufnummer bestimmen, ob das Gespräch durchgestellt oder abgelehnt wird. Das funktioniert am Mehrgeräteanschluß und muß von der TK-Anlage unterstützt werden. Das Anklopfen läßt sich auch sperren.

  • Anrufweiterschaltung (Tag und Nacht, extern)

Egal, wo man sich gerade befindet: Um überall erreichbar zu sein, kann man Anrufe vom ISDN-Telefon weiterschalten lassen – zu einem Handy etwa. Per Tastendruck oder Kennziffern hat man die Möglichkeit, Anrufe zu gewünschten Tageszeiten an bestimmte Endgeräte weiterzuleiten – etwa Anrufbeantworter oder einen anderen Kollegen.

  • Automatische Amtsholung

Es besteht die Möglichkeit, sich ohne das Wählen einer weiteren Ziffern wie der “0” auf eine Amtsleitung schalten zu lassen.

  • Automatische Wahl (Seniorenschaltung)

Ist der Hörer abgenommen und erfolgt binnen der nächsten Sekunden kein Tastendruck, dann stellt die TK-Anlage automatisch eine Verbindung zu einer programmierten Rufnummer her. Erreicht sie keinen freien Anschluß, probiert sie es in regelmäßigen Abstand wieder.

  • Babyruf

Das Telefon läßt sich so einstellen beziehungsweise sperren , daß beim Drücken ein x-beliebigen Taste eine vorher programmierte Nummer gewählt wird.

  • Dreierkonferenz

Hat man einen Mehrgeräteanschluß im Euro-ISDN, kann man mit entsprechender Unterstützung des ISDN-Telefons eine Dreierkonferenz einrichten. Dabei können drei Teilnehmer gleichzeitig miteinander telefonieren.

  • Fernwartung

Falls Probleme mit der TK-Anlage auftreten, kann der Support, nach vorhergehender Berechtigung, die Anlage programmieren.

  • Feststellen böswilliger Anrufe

Über die Vermittlungsstelle des Netzbetreibers (im Regelfall die Telekom) läßt sich die Rufnummer eines anonymen Anrufers feststellen oder auch “fangen”.

  • Gebühren (Anzeige, Erfassung, Limit)

Sofern die TK-Anlage das unterstützt, lassen sich mit diesem Leistungsmerkmal am Ende oder während einer Verbindung die Gebühren anzeigen. Manche TK-Anlagen können Gebührendaten speichern, die sich nachher entweder ausdrucken oder per Software bearbeiten lassen. Unterstützt die Anlage “Gebührenfaktor” lassen sich unabhängig vom Netzbetreiber Gebühreneinheiten individuell definieren. Auch bieten manche TK-Anlagen als Option die Wahl eines Gebührenlimits an. Dadurch läßt sich für bestimmte Endgeräte ein Maximum an Gebührenverbrauch einstellen. Ist das Kontingent erschöpft, können keine Anrufe mehr von dort aus getätigt werden, bis die Einrichtung neu erfolgt.

  • Makeln

Eine bereits bestehende Verbindung wird durch Makeln angehalten und eine neue aufgebaut. Danach kann man die erste wieder aufnehmen. Der Teilnehmer in der Warteschlange kann nicht mithören.

  • Rufumleitung (Follow-Me)

Die ankommenden Anrufe lassen sich zu einem externen oder internen Telefon umschalten. “Fest” bedeutet die Umleitung in jedem Fall, “besetzt” nur dann, wenn beim Angerufenen belegt ist und “verzögert”, wenn sich der Teilnehmer nach einer bestimmten Klingeldauer nicht meldet. Über die Funktion “Gesprächsweitergabe an einen externen Teilnehmer” kann man einen Anrufer etwa auch zu einem Autotelefon oder Handy durchstellen. Per “Follow-Me”-Funktion kann man vom Zieltelefon aus die Rufumleitung einstellen, falls man es vom Bürotelefon aus vergessen hat.

  • Türfreisprechen (TFE)

Manche TK-Anlagen kann man mit der Türsprecheinrichtung der Haustür verbinden. Per TFE-Umleitung läßt sich eine Verbindung zu einem Zieltelefon im In- und Ausland aufbauen (“Apotheker-Schaltung”).