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Sonntag, 20. Mai 2012
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1998

CeBit-Trends 98

Desktops – Vielfalt und Service

Ende Januar hat Intel erst den 333-MHz-Pentium-II offiziell angekündigt; und jeder Aussteller, der etwas auf sich hält, bietet erste High-End-Systeme auf Basis der 0,25-Mikrometer-Prozessoren an. Intel hat die Oberklasse fest im Griff: State of the Art sind Pentium-II-Desktops ab 300 MHz. AMC, Cyrix und Konsorten bleibt nur das Feld der Netzwerk-Arbeitsstationen und Einstiegs-PCs. Erste Testmuster mit 350-MHz- und 400-MHz-Pentium-II mit 100-MHz-Systembus sind wohl ebenfalls zu sehen. Damit ist bereits klar, daß die Preise der jetzt noch als ”High-End” gehandelten CPUs schon zur CeBit-Zeit noch einmal kräftig nachgeben. Und schließlich stehen ja auch erste Systeme mit dem abgespeckten ”Billig”-Pentium-II in den Startlöchern.

Die sich abzeichnenden Preissenkungen machen den Pentium-II auch dort salonfähig, wo er eigentlich abdingbar ist. Solange es keine Office-Anwendungen gibt, die nach hoher CPU-Leistung verlangen, läßt die sich auch schwerlich argumentativ an den Kunden bringen. Daher adressieren die Hersteller verstärkt den service- und preisbewußten Anwender: Maßgeschneiderte PCs für Freiberufler und LANs stehen auf dem Programm, ausgestattet mit Extra-Schmankerln für das vernetzte Büro, etwa Fernkonfiguration und erleichterter Administration. Hier galoppieren die Taktraten ausnahmsweise einmal nicht. Immer mehr Hersteller steigen von vorkonfektionierten Systemen auf ”modulare Systeme” um: Der Kunde kann den für seine Bedürfnisse zugeschnittenen PC wählen, erhält ein Komplettpaket mit den für ihn wichtigen Anwendungen – und auf Wunsch ein Servicepaket dazu. Viel dreht sich auch um die TCO, die Total Cost of Ownership. Günstige Netzwerk-Computer mit minimaler Hardware-Ausstattung stehen entsprechend für diese Entwicklung: schlanke, aber voll Office-taugliche Desktops, durch die sich Einstiegs- und Unterhaltskosten in Unternehmen drastisch senken lassen.

Ein Trend in Sachen Ausstattung war schon länger absehbar: In vielen Desktops finden sich bereits ab Werk DVD-Laufwerke, was für größere Marktanteile sorgen dürfte.

Im Homebereich vollzieht sich – fast am Rande – endlich eine lang erwartete Revolution: PC-ähnliche Geräte verschmelzen mit dem heimischen Fernseher. So sieht es etwa eine Lösung von SNI vor: Die Multimedia-Integration-Box für das TV für Telefonie, Videokonferenzen, Video-on-Demand sowie Fax, E-Mail und Internet-Zugang.

 

Notebooks – echte Tragbare im Kleinformat

“Neue Notebooks stehen mehr denn je im Zeichen des Mobile Computing”. Dieser Satz eines Herstellers mag aufs erste Lesen hin paradox klingen. Aber die Aussage: ”Ich habe mein Notebook zu Hause gelassen – zu schwer!” ist vielen vertraut. Daher geht die Entwicklung im Bereich der Notebooks hin zu wirklich tragbaren Systemen. Sie reduzieren ihr Gewicht durch abnehm- und austauschbare Module: Schwere Teile wie Diskettenlaufwerke lassen sich dann bei Bedarf zuschalten. So stellen diverse Hersteller kleine, leichte, aber vollwertige Notebooks vor, die schon dem Aussehen nach eher an einen Palmtop erinnern und superflach sind. Ein Paradebeispiel findet sich etwa bei Toshiba mit dem Libretto 100CT, der trotz 166 MHz Takt kaum größer als eine Zigarrenschachtel ist.

Auch kommen für die Gehäusefertigung Materialien wie Magnesium zum Einsatz, die das Gewicht noch einmal drücken. Zudem werkeln die Herstellern an einem leidigen Problem: die geringe netzunabhängige Laufzeit der Notebooks. Ein Muß für den längeren Betrieb war ja bislang das Zukaufen eines zweiten Akkus. Nun soll ein Lithium-Ionen-Akku schon bis zu fünf Stunden durchhalten. Ferner feilen einige Hersteller an ausgeklügelten Kühlkörpern und Belüftungssystemen für die heißlaufenden High-End-CPUs, um die Batterielast zu minimieren.

Mit Hochleistungskomponenten im Bereich CPU, Grafik und Kommunikation mausern sich die Notebooks des weiteren zur echten Alternative zu den klassischen Desktops. Dabei muß man nicht einmal auf den Komfort eines ausgewachsenen PCs verzichten: Die Displays werden größer, 14,1 und sogar 15,1 Zoll markieren derzeit die Oberklasse. Zusatzschmankerl: Tastaturen lassen sich bei einigen neuen Modellen bequem herausklappen, bieten sogar eine Handballenauflage. Ferner erfolgten Verbesserungen im Detail: Das lästige Hin- und Herstöpseln von 3,5-Zoll- und CD-ROM-Laufwerk ist weitgehend passé, beide passen gleichzeitig ins Gehäuse. Und, wer mag, kann nun auch optional ein DVD- oder LS-120-Laufwerk zukaufen – oder auch einen Chipkartenleser.

 

Monitore / LCDs – ergonomische Flachmänner

Die klassische, analoge Monitortechnik ist ausgereift. Kaum jemand läßt sich noch von höheren Auflösungen beeindrucken. Doch die Gehäusegröße der Boliden sind vielen ein Dorn im Auge, daher gilt das verstärkte Entwicklerinteresse den Kurzhals-Bildröhren. So geht der Trend folgerichtig hin zu Monitoren, die mit einer geringeren Stellfläche als herkömmliche Kathodenstrahlröhren aufwarten. Daher sind auch 19-Zöller mit der Tiefe eines 17-Zoll-Geräts der Renner auf dieser CeBIT – kaum ein Hersteller, der nicht diese Lücke zwischen 17- und 20-Zoll geschlossen hätte. Ein Gutteil der Bemühungen gilt der konsequenten Weiterentwicklung der Röhrentechnik: flacher und besser entspiegelt. Dazu zählen diverse technische Verbesserungen hinsichtlich der Kontrastschärfe etwa durch dynamische Fokussierung oder dem Feintuning in puncto Justagemöglichkeiten. Des weiteren, als Beitrag zum Umweltschutz erfreulich, gehört TCO 95 (mit Gehäuse aus wiederverwertbaren Materialien) bei den neuen Monitoren fast schon zu den Standard-Zertifikaten. Auch in puncto Stromverbrauch haben einige nun bessere Leistungswerte: Im Standby-Modus ziehen einige gar nur noch 5 Watt (Energy 2000).

Doch Strahlungsarmut, höhere Auflösungen, verbesserte Reguliermöglichkeiten und feinere Entspiegelung – alles Verbesserungen im Detail? Eine Revolution ist im Gange: Flache Flüssigkristallmonitore schicken sich an, die Kollegen mit Kathodenröhre aufs Altenteil zu schieben – zumindest bis zur 17-Zoll-Klasse. Auch diese Technik ist weitgehend ausgereift, hohe Stückzahlen sind erhältlich. Im Prinzip sind das die gleichen Displays, wie sie schon seit langem die Notebooks zieren. Mit allen Vorteilen: Displays mit der sichtbaren Fläche eines herkömmlichen 17-Zöllers sind kaum tiefer als zehn Zentimeter, strahlen praktisch nicht und sind flimmerfrei. Und schließlich ist der Energieverbrauch um Dimensionen geringer. So ganz ist der Durchbruch allerdings noch nicht da: Zwar sollen die aktuellen Geräte mit allen Grafikkarten zusammenarbeiten, in der Praxis trüben Synchronisationsprobleme aber häufig die Bildqualität. Und schließlich kosten die Neulinge fast um den Faktor 4 mehr als vergleichbar große günstige Kathodenstrahl-Monitore.


Grafikkarten – in 2D und 3D vergleichbar stark

PCI-Grafikkarten haben (fast) ausgedient. Die neuesten Generationen arbeitet nach dem AGP-Standard, der immer öfter auch in neuen Pentium-Systemen zur Verfügung steht. Die meisten Hersteller setzen auf Kombis für die 2D-, 3D- und Videobeschleunigung. Beispiel ist hier ATIs Vorstoß mit dem Rage Pro Turbo. Obwohl es etliche Zusatzkarten zu reinen 2D-Beschleunigern auf Basis des neuen Voodoo-2-Chipsatzes von 3Dfx gibt, deutet sich an, daß die Tage dieses Marktes gezählt sind. Das liegt nicht zuletzt am härtesten Voodoo-2-Konkurrenten, dem Chipsatz Riva128/8 von SGS-Thompson. Der unterstützt bis zu 8 MB SGRAM bei 100 MHz Takt und läßt sich besonders leicht in neue Karten integrieren – er ist pinkompatibel zum Vorgänger. Daher stellen praktisch alle Hersteller von Riva-Karten eine neue Kartengeneration vor.

In Zukunft werden Anwender also Steckplätze sparen: Speziallösungen wie MPEG- und DVD-Decoder oder TV-Karten finden sich verstärkt als Komponenten von Grafikkarten. Das erklärte Ziel sind Allrounder, die alle Funktionen in sich vereinen oder zumindest den Anschluß auch an Fernseher erlauben.

Insgesamt scheinen die Uhren im Grafikmarkt etwas langsamer zu ticken als noch im letzten Jahr, als sich die Nachrichten von umwerfenden Neuigkeiten regelrecht überschlugen. Für 1998 stehen also vorwiegend Detailverbesserungen an: etwas höherer Takt, etwas höhere Integration und mehr Speicher. Die Tendenz dieser Entwicklung läßt sich etwa am Elsa-Stand begutachten: Die Open-GL-Karte Gloria XXL läßt sich mit bis zu 56 MB SGRAM ausstatten.

 

Soundkarten – PCI und mehr HiFi

Soundkarten pendeln sich endgültig auf dem Niveau von High-End-Synthesizern ein – und das sogar schon in der Einstiegsklasse. Durch meist mitgelieferte MIDI-Programme, darunter auch professionelle Sequenzer, avanciert der PC zum Home-Studio.

Der deutlichste Umbruch: Karten für den PCI-Bus lösen ISA-Lösungen ab. Damit erreichen die Hersteller weniger einen besseren Klang als eine geringere Auslastung des Prozessors – besonders für High-End-Spiele nützlich. Praktisch jede Neuvorstellung unterstützt über einen DSP oder speziellen Sound-Prozessor, Stereo-Basis-Verbreiterung oder echten 3D-Sound. Entsprechend programmierte Anwendungen (Spiele oder VR) können damit Töne erzeugen, die nicht aus der Richtung der Lautsprecher zu kommen scheinen – Ziel ist die perfekte Realitätssimulation.

Und schließlich kann der Besucher auch ein Mehr an Tonfähigkeit erwarten: Selbst die Einstiegsversionen der Soundkarten liefern oft eine Qualitäten über der des Hifi-Standards. Praktisch alle Karten, selbst die günstigsten für den Heimanwender, bieten – gerade im Hinblick auf neue Spiele oder Edutainment-Software – bereits die 64stimmige Hardware-Synthese an. Auch hier zeigen sich die Erfolge höherer Integration: So wie zu den neuesten Grafikkarten Ein- und Ausgänge zum TV gehören, wandern vermehrt Radio-Tuner auf die Soundkarten. Ein großes Thema ist natürlich auch die Internet- und PC-Telefonie: Dafür warten die Neuzugänge standardmäßig mit Vollduplex-Unterstützung auf. Bundle komplett: Um die Leistungsfähigkeit (und das hauptsächliche Einsatzgebiet) der neuen Angebote zu demonstrieren, legen die viele Hersteller Spiele der neuesten Generation bei und haben optional auch gleich passende Lautsprecher im Programm.

Heike Kaltschmidt, Alfred Poschmann