|
2002 UnitedLinux: Alternative zu TEUEREN Microsoft-Lizenzen? Die Vereinigten Staaten von Linux Seit August ist Microsofts Großkunden-Linzenzprogramm Version 6 angelaufen. Sie kommt die meisten Firmen teuer zu stehen. Als Alternative soll ab Ende des Jahres UnitedLinux stehen, ein gemeinsames Unternehmensprodukt auf Basis des erheblich preisgünstigeren, freien Betriebssystems. Nach Microsofts Verständnis machen ihre neuen Lizenzen alles günstiger: Große Firmen ab 250 PC-Arbeitsplätzen sollen Software künftig billiger auf aktuellsten Stand halten können. Das gilt aber nur unter folgender Voraussetzung: Wer bislang schon jedes Update für Windows, Office und Back Office gekauft hat, kann künftig manchen Euro sparen. Viele Firmen haben aber eben nicht jeden Versionssprung mitgemacht, und die die wohl meisten nicht gleich jeden ihrer PCs aufgerüstet – sonst wären ja auch Hardwarekäufe angefallen. Jetzt zwingt das neue Großkunden-Lizenzmodell zum Kauf jeder neuen Versionsnummer. Wer das eine oder andere Update aus Kostengründen überspringen will, verliert für die nächste Version seine Mengenrabatte – und das ist keinesfalls günstiger als bisher. Einer Marktforschung von Giga zufolge erwarten denn auch rund 80 Prozent der befragten Firmen höhere Kosten durch die neue Lizenz-Vereinbarung. Neu sind derartige Knebelstrategien nicht. Schon öfter in der Vergangenheit hat Microsoft sie durch Vertragsklauseln und seine Marktmacht angewandt: Windows-95-Anwender etwa dürfen überhaupt nicht zu Windows XP updaten, sondern müssen eine Vollversion kaufen. Windows-2000-Fans bleibt legaler Weise nur der Griff zur teureren XP-Professional-Variante: Das Update auf die günstigere Home Edition darf man nur über ein Windows 98 oder ME kopieren. Auch Unternehmen, die ihre Desktops bislang preiswert mit den Endkunden-Versionen Windows 98 oder Me ausgerüstet haben, müssen künftig zur teuren Professional-Version greifen: Die günstigere Home-Version arbeitet durch künstliche Beschneidung nicht in Windows-Domänen oder Novell-Netzen. Nur war in der Vergangenheit jeder Widerstand zwecklos. Die spärlichen Alternativen zum Quasi-Monopolisten wie Apple, Novell oder IBM haben allesamt ihre eigenen Pferdefüße: zum Beispiel bei ihren eigenen Lizenzmodellen oder der schwachen Unterstützung bereits eingekaufter Hard- oder Software. Aber da ist ja auch noch Linux, das auf fast beliebiger Hardware läuft. Das freie Betriebssystem hat zumindest auf Servern einen erstaunlichen Siegeszug begonnen. Im Internet, sprich bei den Providern, hat es zusammen mit dem anderen quelloffenen Unix BSD Microsoft-Lösungen auf die hinteren Plätze verwiesen. Als Unternehmens-Server kommt Linux bislang allerdings kaum zum Einsatz, und wenn, dann als Nischenlösung. Die Gründe dafür sind vielfältig: So ist Windows nach wie vor auf den Desktops allgegenwärtig. Jeder Entscheider mutmaßt daher, dass ein Microsoft-Client mit einem Microsoft-Server am besten harmoniert. Internationale Firmen befürchten zudem einen Support-Notstand. Linux-Anbieter Suse, in Deutschland marktführend und mit reichhaltigen Service-Angeboten auch von Drittanbietern vertreten, spielt in anderen Teilen der Welt kaum eine Rolle. Wer soll in der asiatischen Filiale im Notfall Support leisten? Es gibt zwar auch im Ausland leistungsfähige Linux-Anbieter, aber die sind in der Regel auf andere Distributionen – es gibt weltweit rund 200 dieser Linux-Varianten – spezialisiert und können im Ernstfall vielleicht doch nicht helfen. Außerdem ist so oder so der Wechsel einer etablierten Plattform ein technisch schwieriges Unterfangen, besonders in den komplexen IT-Strukturen der internationalen Unternehmen. Alternative ante portas Also doch lieber die teure Microsoft-Lösung, die weltweit guten Service verspricht? Muss nicht sein, meint die Allianz hinter „UnitedLinux“. Unter diesem Namen haben sich bislang vier der größten Linux-Distributionen zusammengeschlossen: Caldera, in den USA gut vertreten, Conectiva, in Südamerika populär, Suse, in Europa stark, und Turbolinux, in Asien mit Abstand die Nummer 1. Noch in diesem Jahr wollen die vier mit einer einheitlichen Linux-Distribution speziell für Unternehmen und weltweitem Support auftrumpfen. Das allein sollte bereits die Ressentiments der bisherigen Microsoft-Kunden mindern. Ein Zusatznutzen entsteht für ISVs (Independent System Vendors) wie Oracle oder SAP, die ihre Software nur noch an eine Distribution anpassen und zertifizieren müssen, um weltweite Verfügbarkeit garantieren zu können. Die vier Linux-Distributoren schließlich können ihre Ressourcen bündeln, die Entwicklung so gezielter vorantreiben – und natürlich die eigenen Entwicklungskosten senken. Aus der Not geboren? Hinter den Kulissen sind aber noch weitere Gründe für den Zusammenschluss der vier Linux-Distributoren zu hören. Linux hat schließlich bereits einen – wenn auch kleinen – Anteil am Markt der Unternehmensserver. Aber der ist mit über 50 Prozent Anteil recht fest in der Hand des konkurrierenden US-amerikanischen Linux-Anbieters Red Hat. Weitere Gefahr droht von der Unix-Größe Sun, die noch in diesem Jahr mit einer eigenen Linux-Distribution für Unternehmen auf den Markt kommen will. Beide Firmen haben bereits ein gut ausgebautes weltweites Service-Netz, gegen das sich die vier kleineren Anbieter nur mit Hilfe der UnitedLinux-Allianz behaupten können. Ein weiteres Motiv dürfte aus den Marketing-Abteilungen kommen, die der Werbung und den gezielten Verwirrungs-Manövern von Microsoft nur wenig entgegenzusetzen haben. So ist das Argument „einheitliche Linux-Version“ seitens der UnitedLinux-Allianz nur ein schwaches: Entgegen aller Vorurteile, die nicht zuletzt von Microsoft geschürt werden, ist der Linux-Markt kaum fragmentiert. Es gibt sehr wohl einen genau definierten Linux-Standard, die LSB (Linux Standards Base), an den sich alle großen Distributoren und natürlich auch UnitedLinux halten. Unterschiedlich sind vorwiegend die Konfigurationswerkzeuge, die aber allesamt auf die gleichen Konfigurationsdateien zugreifen. Wer direkt daran arbeitet, kann sehr wohl Support an praktisch jeder Linux-Distribution leisten. Damit ist UnitedLinux aus rein technischer Sicht kaum nötig. Vorteile für alle Trotzdem ist die Zusammenarbeit der vier Distributoren ein wichtiger Schritt. Auch wenn es nicht wirklich ein Standard-Linux geben muss – weil das de facto schon existiert – so könnte die vereinigte Marketing-Kraft von UnitedLinux den verunsicherten Microsoft-Kunden eher die Angst vor dem Wechsel nehmen. Der Linux-Markt ist weder mit noch ohne UnitexLinux wirklich zersplittert; aber jetzt können es die potentiellen Kunden leichter akzeptieren. Die Unternehmen, die sich auf UnitedLinux einlassen, profitieren schließlich von dem weltweiten Service-Netz, auf das sie über nur einen Ansprechpartner zugreifen können. Außerdem haben die bisherigen Distributionen der neuen Partner alle ihre ureigenen Stärken. Die gemeinsame Distribution wird aus dem Besten bestehen, was die vier zu bieten haben und sich durch die vereinten Entwicklerkräfte auch schneller weiterentwickeln können. Damit gehen auch Verbesserungen an den Endkunden-Distributionen einher, welche die vier Partner weiterhin unter ihrem jeweils eigenen Namen vertreiben werden. Fazit: Es wird durch UnitedLinux schneller mit Linux vorangehen, und das schafft dringend nötige Konkurrenz für Microsoft. Und so profitieren selbst die Firmen, die gar nicht wechseln wollen: Sie bekommen auf längere Sicht mit Sicherheit einen Software-Lieferanten, der wieder mehr auf seine Kunden eingeht. UnitedLinux wird sogar Windows verbessern: Dieser Gedanke ist nur auf den ersten Blick paradox. Was leistet UnitedLinux? Caldera, Conectiva, Suse und Turbolinux wollen ihr Business-Linux an „dickes Eisen“ anpassen. Speziell für große Server wollen sie den aktuellen Linux-Kernel 2.4 um eine verbesserte Speicherverwaltung und leistungsfähigere Ein-/Ausgabefunktionen für High-End-Massenspeicher erweitern, die sich wahlweise auch über einen Logical Volume Manager verwalten lassen. Damit können Anwender etwa im laufenden Betrieb Festplatten zu- oder abschalten, um so je nach Bedarf Speicherplatz zur Verfügung zu stellen. Für die Arbeit in großen Netzen soll UnitedLinux Storage Area Networks (SAN), SNMP (Simple Network Management Protocol) und LDAP (Lightwight Directory Access Protocoll) als Client und als Server unterstützen. Apropos Server: Über das Konfigurationswerkzeug YAST kann man laut Allianz schnell Datei-, Druck- oder Internet-Server aufsetzen, etwa für Web- oder FTP-Zugriffe oder als Proxy, Gateway, Firewall oder Mail-Server. Für den Einsatz als Client wird UnitedLinux die Benutzerführungen KDE 3 und GNOME 2 enthalten. Nicht zuletzt: Externe Mitarbeiter sollen sich über verschlüsselte VPN (Virtuelle Private Netzwerke) kostengünstig ins LAN einwählen können. Heike Kaltschmidt, Alfred Poschmann
|