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Sonntag, 20. Mai 2012
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Funkschau

1996 

V.34-PCMCIA-Modems

Kartengeflüster


PCMCIA-Modems avancieren zum selbstverständlichen Zubehör eines jeden wohlausgerüsteten Notebooks – mittlerweile liegen die V.34-Exemplare auch in erschwinglichen Preisregionen. Zehn Probanden hat Funkschau für Sie getestet.

Schon seit geraumer Zeit ist der PCMCIA-Slot ein bekannter Bestandteil des Notebooks. Doch in der Regel blieb er verwaist. So kommt als Netzwerkkarte meist immer noch ein Adapter für den parallelen Port zum Einsatz. Und die zweite sinnvolle Erweiterung, ein Modem, war den meisten Anwendern bislang deutlich zu kostspielig. Aber klammheimlich sind die Preise gefallen. Mittlerweile sind erste kleine Helfer für die PC-Kommunikation von unterwegs schon ab rund 500 Mark erhältlich. Das finanzielles Hindernis schrumpft.

Zehn Karten haben wir unter die Lupe genommen, um die Leistung der Winzlinge zu erproben. Der Test lieferte erstaunliche Ergebnisse – wenn auch nicht in der Hinsicht, die man erwartet. In puncto Leistung gab es erfreulicherweise kaum Ausrutscher. Die Geschwindigkeitstests spulten fast alle Adapter mit schon beinahe langweilig gleichförmiger Routine herunter.


Der Teufel im Detail

Allerdings haben sich alle Hersteller selbst ein Bein gestellt. Denn als maximale Schnittstellengeschwindigkeit stehen zum einen bei keinem Modem mehr als 115200 bps zur Verfügung. Und dabei ließe PCMCIA doch viel höhere Geschwindigkeiten zu. Schließlich sollen in diesen Steckplätzen auch Miniaturfestplatten einigermaßen zügig Ihre Arbeit tun. Zum anderen fragt man sich, warum bei Modems, die maximal 28 800 bps erreichen, die Schnittstelle noch mehr als viermal so schnell sein soll. Ganz einfach: Textdateien werden nicht nur mit 28 800 bps übertragen, sondern zusätzlich vom Modem nach V.42bis komprimiert. Und da die Komprimierung im Idealfall noch über 4:1 liegen kann, sind sehr wohl Schnittstellengeschwindigkeiten von über 115 200 bps möglich. Nur ein Hersteller beschränkte sich unter Windows 95 wegen eines unzureichenden Treibers gar auf 57 600 bps.

Aber auch in anderen Punkten scheint es, als seien bei der Produktentwicklung manche Überlegungen nicht konsequent zu Ende gebracht. Bei einigen Modems finden sich in der Kabelverbindung zur Telefondose noch Adapter, die unnötig groß sind – wenig sinnvoll für ein Gerät, das unterwegs möglichst wenig auftragen soll. In einigen Fällen sitzt dieser Adapter gar direkt auf der Modemkarte. Dann ist die Bedienung des zweiten PCMCIA-Slots schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Außerdem steigt so die Gefahr einer Beschädigung der Karte. Ebenfalls nicht ideal gelöst ist hi und da der Anschluß des Telefonkabels an die Karte. Bei so manchem Prüfling ist die Steckverbindung eher wenig vertrauenerweckend – bei wackligem Halt könnte so manche Datenverbindung jäh abbrechen. Zu mehr Zugfestigkeit und besseren Schnappverschlüssen könnten sich die Hersteller daher noch ein paar Kniffe einfallen lassen.

Große Unterschiede gab es bei den mitgelieferten Kabeln. Die Begründung für die Länge von nur einem Meter dürfte wohl der komfortable Transport sein. Allerdings ist kaum jemand begeistert, wenn er im Hotel neben der Telefondose auf dem Boden arbeiten muß.

Status quo und Ausblicke

Alles in allem arbeiten die Testkkarten recht zuverlässig und schnell, die Installation ist weitgehend problemlos. Es gibt aber noch einige Verbesserungsmöglichkeiten. Schnellere Protokolle sind in nächster Zeit kaum zu erwarten. Das V.34+-Protokoll (bisher noch proprietär gelöst) schickt sich an, zum allgemeinen Standard zu werden. Für die Zukunft zeichnet sich ab, daß die Anzahl der Funktionen zunimmt. Es werden immer mehr Hybride auf den Markt kommen, die mehrere unterschiedliche Aufgabe meistern. Ein Beispiel im Test: Die Kombinationen aus Netzwerk- und Modemkarte von Olicom und Xircom. Außerdem wird ISDN Einzug in die PCMCIA-Welt halten. Sinnvoll wäre hier eine Kombination aus normalem analogem Modem und einer ISDN-Karte. So wäre man überall optimal ausgerüstet. Das große Problem der PCMCIA-Karten in puncto Handling werden aber erwartungsgemäß auch in nächster Zeit die Adapter zum Anschluß an Telefondose, Netzwerk oder anderes sein. Und dieses Problem ist bei Hybridkarten natürlich noch größer. Besserung stellt sich wohl erst ein, wenn das über Funk oder Infrarot geht. Das dürfte allerdings noch ein wenig dauern. Denn wirklich praktisch ist auch eine solche Lösung erst, wenn man den eigenen Empfänger nicht überall hin mitschleppen muß.

Etwas mehr berappen müssen zur Zeit noch Anwender, die auf Verbindungen über ihr Handy Wert legen. Die hierfür angebotenen Karten kosten noch immer mindestens 1000 Mark. Außerdem sind es oft proprietäre Lösungen – eine Karte funktioniert dann genau an einem Handy.

Fazit: Wer mobile Datenübertragung nutzen will, für den ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Kauf eines PCMCIA-Modems. Die Funktionalität ist zwar noch nicht perfekt, aber durchaus ausreichend – und die Preise sind bereits im Bereich des Akzeptablen.

Windows-Konfiguration

Ein Problem mit Treibern hat man unter Windows 3.x selten. Dafür machen diejenigen, mit denen die PCMCIA-Slots angesprochen werden, gleich richtig Ärger. Selbst wenn die sogenannten Socket Services schon installiert sind: Viel Hauptspeicher bleibt nicht frei. Die Abhilfe mit Speichermanagern wie Qemm oder EMM386 ist schwierig, zumindest konfigurationsintensiv, da die Socket-Treiber genau in den Upper Memory Blocks gut zulangen. Und selbst wenn die Socket-Services einwandfrei funktionieren, verweigern einige Modems standhaft die Zusammenarbeit – gar so weit scheint die Standardisierung der PCMCIA-Karten nicht gediehen zu sein. Achten Sie also beim Kauf darauf, daß das Notebook schon gut mit PCMCIA-Sockets- und Services-Treibern vorkonfiguriert ist. Das erspart mächtig Arbeit.

Windows 95 bietet einen großen Vorteil: In den meisten Fällen erkennt es den PCMCIA-Kontroller automatisch. Außerdem stehen für fast alle Kontroller 32-Bit-Treiber zur Verfügung. Das schont den freien Speicher unter DOS, reduziert Ärger bei der komplexen Konfiguration der Sockets-Treiber. Dafür steigen die Probleme bei der Installation manch einer unterversorgten Modemkarte. Denn einige Hersteller verzichten immer noch darauf, einen optimierten Windows-95-Treiber mitzuliefern. Und ohne den geht hier nichts. Zwar stehen die Treiber oft in einer Mailbox zur Verfügung, dann sollte man aber zumindest noch ein zweites Modem besitzen. Besser: Gleich beim Kauf nachfragen und den Treiber im Ernstfall auf einer Diskette vom Händler mitnehmen.

V.34-PCMCIA-Modems – die Testbedingungen

PCMCIA-Karten gibt es für die unterschiedlichsten Anwendungen; allen gemein ist die hauptsächliche Umgebung: ein Notebook. Zwar gibt es schon diverse Lösungen, um die kleinen Karten auch am Desktop-PC zu betreiben, doch der Preisunterschied zu herkömmlicher PC-Peripherie verweist diese Lösungen ins Reich des Exotischen. Daher haben wir die Karten an zwei Notebooks getestet, an einem Toshiba Tecra unter Windows 95 und einem Millennium Virage 3D unter Windows 3.1. So können wir die Installationen unter beiden gängigen Betriebssystemen begutachten, der Windows 3.1-Notebook hatte PCMCIA-Socketstreiber von Systemsoft bereits ab Werk installiert.

Die Geschwindigkeit beurteilen wir in zwei Testdurchläufen. Im ersten liefen zwei identische Modems an beiden Notebooks gegeneinander, um etwa Geschwindigkeitsvorteile von proprietären Modi auszunutzen. In einem zweiten traten die Probanden gegen ein Referenzmodem an, daß in der Mailboxszene und bei Online-Diensten weit verbreitete USR Courier Dual Standard V.34 (V.Everything). Nur der zweite Testlauf geht in die Bewertung ein, da der erste in der Praxis kaum vorkommt. Doch der Test ergab, daß nahezu alle Modems (außer denen von Xircom und Olicom) Verständigungsprobleme mit ihren Artgenossen hatten. Besonders binäre Dateien führten hier zu häufigen Verbindungsabbrüchen.

Für den Test des Datendurchsatzes der PCMCIA-Modems haben wir vier vorbereitete Dateien jeweils mehrmals übertragen. Die erste Datei war exakt 200 000 Byte groß und enthielt die sich ständig wiederholende Buchstabenfolge „ABC“. Damit prüfen wir die V.42bis-Implementation. Jedes Modem sollte diese Datei optimal packen können und knapp 11,5 KB pro Sekunde übertragen – die maximale Geschwindigkeit der (emulierten) seriellen Schnittstelle. Die zweite, TELIX.DOC, beinhaltet als Dokumentation eines Shareware-Programms normalen ASCII-Text, wie man ihn etwa auf Webseiten vorfindet. Die Größe: rund 250 000 Bytes. Auch hier sollte die Kompression à la V.42bis noch einiges an Beschleunigung herausholen. Die dritte Datei, DIALER.EXE (rund 100 KB) aus dem Lieferumfang von Windows 95, läßt sich dagegen nur noch wenig komprimieren; die vierte, der Internet-Explorer gepackt mit PKZIP (ca. 100 KB), überhaupt nicht mehr. Mit dem letzten Test wurde überprüft, mit welcher Geschwindigkeit die Daten tatsächlich über die Leitung laufen.

Wichtig für die Beurteilung der Modems ist selbstredend auch die Installation (die unter beiden Betriebssystemen unterschiedliche Anforderungen stellt) sowie die unterstützten Funktionen für den Modem- und Faxbetrieb. Manche Karten schaffen en passant noch die Anbindung an Netzwerke.

Von Bedeutung ist ebenfalls der Lieferumfang. Liegen der Karte alle Treiber bei? Manche Hersteller liefern einen Modem-Emulator mit, eine speichersparende Software, mit der die Karte ohne Sockets-Treiber auskommt. Für Windows-95-Anwender ist der entsprechende Treiber von besonderer Bedeutung. Liegt der nämlich nicht bei und ist auch nicht auf der Windows-95-CD-vorhanden, so schiebt sich im Regelfall gar nichts. PCMCIA-Karten sind meist nicht kompatibel zueinander, mit Treibern anderer Karten läßt sich nur im seltensten Fall arbeiten. Heike Kaltschmidt, Alfred Poschmann